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Die sechste Jahreszeit.
Wenn Karneval die fünfte Jahreszeit ist, dann sage ich, dass die
Zeit vor den Wahlen die sechste Jahreszeit ist. Und die ist jetzt.
Samstag, der 16. Mai 2009, für die wöchentlichen
Einkäufe treibt es mich wieder auf den Wochenmarkt in Waiblingen.
Etwas Käse, frisches Gemüse der Saison, etwas zum Lesen, der
kurze Plausch mit dem Landschaftsgärtner meines Vertrauens und
weitere Bekannte treffen. Das "Flair von frischem Gemüse"
genießen.
Doch bereits die Suche nach einem geeigneten Parkplatz gestaltete sich
etwas mühsamer als sonst. "Irgendetwas ist heute anders. Liegt es
am schönen Wetter?". Dann beim Betreten des Markplatz offenbart
sich die Ursache für die innerstädtische Unruhe: Es ist
Wahlkampf. Bevor ich noch einen Schritt auf den Markplatz machen kann,
wird mir bereits der erste, eindeutig farbige Luftballon und ein
kleiner Stapel bunter Hochglanzprospekte in die Hand gedrückt. Ich
lehne höflich dankend ab, schließlich sollte ich noch einige
Einkäufe im meinem Rucksack verstauen. Der Markplatz ist voller
Leute die ich hier zuvor nie gesehen oder wahrgenommen habe, zumindest
die letzten fünf Jahre nicht. Es herrscht ausgelassene
Volksfeststimmung und an den Ständen mit den bunten Plakaten und
Prospekten stehen gutgelaunte, fröhliche Menschen die ihre zu
Buntpapier gewordenen frohen Botschaften unter das Wahlvolk bringen als
gelte es das Ende der Wirtschaftskrise zu verkünden. So führt
mich mein Weg vorbei an Ständen aller Kulör und überall
bietet man mir einen Luftballon und dazu einige Prospekte an. "Aha, die
Konkurenz!", "Wo habt ihr euren Stand?" und "Seit ihr heute auch da?",
"Wir haben noch keine Plakate von euch gesehen." höre ich an jeder
Ecke. Irgendwann als mir wieder mit den üblichen Kommentaren
erneut ein Luftballon offeriert wurde, erklärte ich leicht
genervt, dass wir zu Wahlkampfzwecken über Bittenfeld einen
Zeppelin kreisen lassen und dieser evtl. noch nach Waiblingen kommt.
"Ihr habt Zeppeline?", fragte mich mein verblüffter
Gesprächspartner, wobei ihm einer der Ballons aus den Fingern
glitt um so schnell nach oben zu steigen, wie es seine Partei in der
Wählergunst schon lange nicht mehr erlebt hatte. Ich folge dem
Beispiel des Luftballons und sehe zu, dass ich so schnell es geht
von hier in Richtung Bittenfeld entschwinde.
In der Heimat angekommen musste ich feststellen, dass mein Briefkasten
gut gefüllt ist. "Aha, endlich, die erwarteten Sonderangebote von
NETTO, ALDI, EDEKA etc". Leider weit gefehlt; als gäbe es bei den
Prospekten eine "Heimlieferservice": All die in Waiblingen abgelehnten
Prospekte lagen in doppelter Ausführung für Waiblinger und
Bittenfelder Listen im Briefkasten. Langsam denke ich nochmals an die
beim Interview der Waiblinger Kreiszeitung gestellte 50.000 €
Frage. "Was würden Sie mit 50.000 € zum Wohle des Stadt
machen?" Hier schlug ich vor, Kindergärten und die Jugend zu
fördern, die Ausstattung zu erneuern. Ich frage mich, was kostet
wohl die heute erlebte Hochglanz Materialschlacht?
Wieviel Spielsachen könnte man davon für unsere Kindergärten beschaffen?
Ich bekomme Kopfschmerzen und versuche heute nicht mehr darüber nachzudenken.
Es ist die sechste Jahreszeit, es ist Wahlkampf.
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